II. Vorgeschichtliches und Geschichtliches zu
Wildbad
Funde und Spuren, die in eine Besiedlungszeit vor
dem Jahre 500 n. Chr. zurückweisen würden, gibt es in Wildbad nicht. Alle derartigen
Meinungen, z. B. auch die des früheren Wildbader Dekans Deucer, der im Dreißigjährigen
Krieg nach hier gekommen war, bleiben bis heute unbestätigt. Deucer vertrat die Meinung
einer Benützung der Quellen Wildbads durch die Römer schon um ca. 212 v. Chr. und hat
dabei sicher Wildbad mit Baden- Baden " verwechselt.
Als 1904 der
sogenannte" Urquell" entdeckt wurde, waren die Funde frühmittelalterlich (12-
13. Jh. n. Chr.). Der Urquell
war ein tiefer Brunnenschacht mit einer Bademulde und gibt Hinweise, daß Wildbad seit der
Hohenstaufer- Zeit bereits ein bekanntes Heilbad war. Mit diesen Erläuterungen zur
Frühgeschichte Wildbads soll keineswegs gesagt sein, daß die Römer hier in unserer
Gegend überhaupt nicht zugegen waren. Vorgeschichtliche Römerwege in Wildbads Nähe sind
nachzuweisen. Fr. Hertlein stellt diesbezüglich zur sogenannten Badstraße (Hirsau -
Wildbad) Zusammenhänge her. Es ist wohl sicher davon auszugehen, daß nach dem
Zusammenbruch der Römerherrschaft in Württemberg (um 260 n. Chr.) auch hier rasch die
Zeit der alemannischen Landnahme und der fränkischen Eroberung folgte. (" -ingen
" und" -heim " - Orte, enztalaufwärts z. b. Pforzheim, Eutingen,
Brötzingen). Es folgte der Landesausbau der Merowinger und Karolingerzeit
("-stett", "-bronn", "-weiler", "-hausen"), Dabei
dauerte es Jahrhunderte, bis die Siedler vom Rand des Waldgebietes aus in das Innere der Waldgebiete vorgestoßen
sind. Dies aber war dann weitgehend - was unsere Gegend direkt betrifft - das Verdienst des neuen Grafengeschlechtes von Calw
(Adalbert II. seit 1037;"Comes de Chalawa " d. H. Grafen von Calw. Der Graf von
Calw (Adalbert II.) ist der eigentliche Gründer des Klosters Hirsau. Beim älteren
Aureliuskirchlein, dessen Anfänge auf Reichenau zurückgingen, stiftete er 1059 ein
Benediktinerkloster, in das 1066 Einsiedler Mönche eingezogen sind. 1069 erhielt Hirsau
seinen bedeutendsten Abt, Wilhelm, später" der Selige" genannt.
Das Calwer
Grafengeschlecht und unter ihm das Kloster Hirsau waren für die erste Besiedlung auch des
oberen Enztales die "Urheber". 1110 übergibt das Grafengeschlecht dem Kloster
gemäß dem Codex- Hirsaugiensis (32a) sechs Hofstätten (VI hubas Calenbach) mit 6 "
Leibeigenen "-Familien. Dies ist die erste urkundlich nachgewiesene Besiedlung im
oberen Enztal. Sie dürfte sich dann langsam erweitert haben bzw. auch zur Auffindung der
heißen Quellen und zur Siedlung in Wildbad geführt haben, wahrscheinlich immer durch
weitere Impulse von Calw und Hirsau her.
Das Bad ist urkundlich
ab 1345 nachgewiesen. Die Grafen von Württemberg spielen in der Gegend (auch
besitzmäßig) eine Rolle. 1444 übernahmen sie auch westlich der Enz und von Wildbad,
Dörfer und Land in Besitz. Die Grafen Eberhard und Ulrich überließen damals auch die
Burg Zavelstein pfandweise den Grafen von Tübingen, wobei auch" das Wildbade
"erwähnt wurde.
1367 badeten die Grafen
Eberhard d. Greiner und Ulrich in Wildbad und sollten von ritterlichen Gegnern gefangen
genommen werden. ("Überfall in Wildbad").

Wandrelief
im Sitzungssaal des Rathauses Wildbad -
"Der Überfall in Wildbad" nach einem Gedicht von L. Uhland
1376 wird der bereits starke Badebesuch in einem Gesuch an den Bischof von Speyer als
Begründung dafür angeführt, daß um erweiterte Befugnisse für den hiesigen Kaplan
gebeten wird. Das Gemeinwesen Wildbad muß nach allen den erwähnten Umständen einen
verhältnismäßig raschen Aufschwung genommen haben. Dies deutet darauf hin, daß es als
Ort von Thermalquellen schon im 12. Jahrhundert sehr bekannt war und auch gut besucht
worden ist. Der Ausbau der Badeeinrichtungen in Wildbad (unklar ist der Zusammenhang mit
einem Weiter" Wichartshausen ") dürfte mit einiger Sicherheit durch einen
geübten Stamm von Baufachleuten unter den Klosterinsassen (Laienbrüder), die auch
auswärts arbeiteten, erfolgt sein. Vom damaligen Abt Volmar ist überliefert, daß er
derartigen Aufgaben sehr positiv gegenüberstand.
Verwaltungsmäßig war
Wildbad sehr früh selbständig; in gewissen Dingen (u. a. Gerichtsfragen) unterstand es
dem Vogt von Neuenbürg, der für sein Amt und" das Wildbad" Befehle von der
herzoglichen Kanzlei erhielt.
Der Überfall von 1367
hatte bewirkt, daß Wildbad "Stadt" wurde, Mauern und Tore erhielt, bekannt
wurde, und regsten Badebesuch verzeichnete. Mehrere Großbrände, besonders im 15. und 16.
Jahrhundert (1464,1509,1525, 1645, 1742) und Überschwemmungen suchten Wildbad heim. Ein
Glück, daß das Herzogshaus in Stuttgart immer wieder hilfsbereit dahinterstand, wenn es
um Fragen des Wiederaufbaues ging. Nötig wäre diese Hilfe auch 1645 gewesen, als am 20.
April 1645 insgesamt 63 Wohngebäude und 33 Scheunen, dazu die Kirche durch ein Großfeuer
zerstört wurden.

Eine
der schlimmsten Hochwasserkatastrophen 6. und 7. März 1896
Das Land war aber durch den 30 jährigen Krieg verarmt und konnte zu
diesem Zeitpunkt nicht helfend eingreifen. Selbsthilfe und private Sammlungen halfen
damals jedoch weiter. Auf Befehl des Vogtes wurde das" Badgelt" erhöht. Für
Städtchen und Badebetrieb eine harte Zeit, 1655 wurden 5 Herbergen als abgegangen
gemeldet. Die Zukunft brachte damals nicht viel Freundliches. Franzoseneinfälle unter
General Melac berührten nicht nur Calw und Hirsau, sondern am Rande auch Wildbad (und
Calmbach) mit. Schließlich gab es am 7, Juli 1742 erneut einen Großbrand, der nahezu
ganz Wildbad vernichtete. Die herrschaftliche Hilfe setzte diesmal sehr rasch und
gründlich ein, durch Herzog Karl Friedrich, danach durch Herzog Karl Eugen. Wildbad, es
war damals Oberamtsstadt mit 1799 Einwohnern, wurde wiederaufgebaut, an der Enz entstanden
auf Anregung von Herzog Karl Eugen die Kuranlagen, im Zentrum, an der alten Stelle, die
Badehäuser. Karl Eugen war öfters hierzu Gast (u. a. auch mit Franziska von Hohenheim).
Das Badeleben und der übrige Zeitvertreib darum herum nahmen nach dem Wiederaufbau ihre
Fortsetzung. Der Badegast und Meistersänger" Hans Folz" beschreibt dies so:
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"Essen, trinken, tanzen, springen,
Steine stoßen, laufen, fechten, ringen,
Saitenspiel, pfeifen, singen, sagen,
einander von viel Sachen fragen,
liebkosen, halsen und sonst schimpfen. |
Die Herren pflegten
auch im Bade ihre ritterlichen Übungen oder ritten ganz einfach aus. Ein Reithaus (links
der Enz) und ein Schießhaus waren da. Das Badeleben der alten Zeit muß also rege gewesen
sein.
Herzogshaus und Bad
Es zeigt sich deutlich, daß Wildbad schon seit langem das "Bad der Herzöge" -
man könnte es auch schon damals "Staatsbad" nennen - gewesen ist. Fürstliche,
gräfliche Gäste weilten hier, schon im 16. und 17. Jahrhundert. Manchmal waren es rein
privat gekommene hohe Gäste, manchmal auch herzogliche Gäste (Staatsgäste), die dann
auch von Stuttgart aus mitbetreut wurden und unter Umständen mit Geschenken bedacht
wurden. So übersandte Herzog Christoph z. B. dem Pfalzgrafen Otto Heinrich 1554 als Gruß
ins Wildbad" drei Wägen Cannstatter Weins, hundert Malter Habern, drei Rehen und
vier Auerhahn".
Wildbad bemühte sich
auch selbst immerfort, seinen Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu bieten, wobei auch
eine Theatergruppe in der Hauptbadezeit zur Verfügung stand. Die Beziehungen des
württembergischen Bades zu seinem Herzogshaus waren sehr eng und geradezu herzlich. Ein
Zeichen dafür war auch der "Freiheitsbrief", den Wildbad etwa ab 1530 (Karl V.)
gegen Straßenräuber usw. besessen hat. Ein weiterer klarer Beweis ist aber natürlich
auch die durch das Herzogshaus jeweils erfolgende Hilfe für Wildbad, sobald dieses in Not
geraten war (Hochwasser, Brände). Die Hilfe erfolgte zumeist in Form der Neuerrichtung
der für den Badebetrieb notwendigen Badehäuser und sonstigen Gebäude (das 1798199 durch
Herzog Friedrich II. erstellte" Königliche Palais" sei als Beispiel genannt,
eine Wandelhalle mit Konversationssaal).
Kirchliche Entwicklung
In kirchlicher Hinsicht war Wildbad schon im frühen Mittelalter selbständige Pfarrei
geworden (bis 1469 unter dem Patronat des Klosters Hirsau, dann unter der" Herrschaft
Württemberg"). Die Ämter Neuenbürg, Herrenalb und Wildbad waren wahrscheinlich
schon ab ca. 154 7 n. Chr. zu einem Dekanat zusammengeschlossen. An bekannten Theologen
soll Ludwig Hofacker erwähnt werden, der am 15. Oktober 1798 in Wildbad geboren wurde.
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